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Zeitungsartikel

Hunde, Delfine und Ausbildung

Dieser Artikel von Sabine Winkler erschien unter dem Titel

„Clickertraining – Neues clever lehren“

 im April 2003 in der Zeitschrift „DER HUND“.

Vor einigen Jahren hat das Clickertraining in Deutschland Einzug gehalten. Wurde es anfangs eher belächelt und von den meisten Hundehaltern rundweg abgelehnt, ist es heute eine feste Grösse im Trainingsalltag geworden. Viele Hundehalter arbeiten sehr erfolgreich mit dem Clicker. Es gibt Bücher, Internetseiten, Wochenendseminare und Kurse über Clickertraining. Clickertraining hat eine grosse und manchmal fast ein bisschen fanatische Fangemeinde, aber auch einige ebenso fanatische Gegner. Daneben haben viele Hundehalter, -sportler und Hundeschulen den Clicker ganz selbstverständlich in ihr Training integriert und clickern, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Manche Hundefreunde haben aber auch nach ersten Versuchen den Clicker entmutigt wieder weggelegt, als sich zeigte, dass es so einfach auch wieder nicht ist. 

Und schliesslich gibt es noch immer viele Missverständnisse und Vorurteile rund ums Clickertraining. Zwei davon begegnen mir am häufigsten: Hundebesitzer möchten „Clickertraining“ machen, weil sie glauben, mit dem Clicker könne man den Hund todsicher aus jeder Situation heranrufen. Ein Missverständnis, denn der Clicker ist keine neue Art von Hundepfeife, sondern ein Belohnungssignal. Andere Hundebesitzer erklären gewichtig, der Clicker habe auch gravierende Nachteile. Man müsse nämlich den Clicker dann immer dabei haben, weil der Hund ohne Clicker gar nicht mehr gehorchen würde. Auch dieses Vorurteil beruht offenbar auf Fehlinformationen. Der Clicker ist kein Kommandogeber und auch kein Leckerchenersatz, sondern ein Ausbildungshilfsmittel, das man wieder weglassen kann, sobald der Hund seine Aufgabe zufrieden stellend gelernt hat. Gelegentlich wird auch behauptet, Clickertraining würde Hunde süchtig machen. Dazu später mehr. Zunächst aber noch einmal zu den Grundlagen: Clickertraining – was war das eigentlich noch mal genau?  

Belohnte, also für ihn selbst vorteilhafte, Verhaltensweisen zeigt der Hund immer häufiger und führt sie um so sicherer aus, je öfter sie wiederholt und belohnt worden sind. Beim Clickertraining findet der Hund durch Versuch und Irrtum (oder besser gesagt: durch Versuch und Erfolg) heraus, welche Verhaltensweisen sich für ihn lohnen und welche nicht. Der Trainer beeinflusst ihn fast nur durch richtig eingesetzte Belohnungen. Den Moment, in dem der Hund sich durch ein ganz bestimmtes, vom Trainer erwünschtes, Verhalten seine Belohnung verdient, „markiert“ der Trainer mit dem Click-Geräusch des Clickers. Nach dem Click händigt er dann dem Hund die angekündigte Belohnung aus. Beim Clickertraining wird der Hund weder bestraft noch zu bestimmten Bewegungen gezwungen, allenfalls gibt der Trainer ihm kleine Hilfestellungen, damit er schneller zum Erfolg kommt. Meist wird der Trainer sich dem gewünschten Ziel Schritt für Schritt annähern, indem er zuerst kleine Teilschritte in Richtung auf die fertige Übung belohnt und die Anforderungen dann allmählich erhöht. Diesen Vorgang nennt man „Formen“ (engl. „shaping“). Das Kommando (Signal) für die neue Übung kommt beim Clickertraining im Idealfall erst hinzu, wenn der Hund die gewünschte Bewegung oder Bewegungsabfolge zuverlässig ausführt. 

Das Click des Clickers ist für den Hund dasselbe, wie für uns ein Scheck oder ein Los mit der Aufschrift „Gewinn“. Der Gegenstand an sich ist nichts besonderes, aber wenn man ihn überreicht bekommt, freut man sich, weil man weiss, dass man dafür etwas erhalten wird, das man gern haben möchte. Das Clickgeräusch als solches wäre dem Hund also eigentlich ganz egal. Er lernt jedoch, dass es bedeutet: „Super! Genau dafür kriegst du gleich eine Belohnung!“ Die Belohnung sind meist Leckerchen, da diese einfach in der Handhabung sind und von sehr vielen Hunden gern genommen werden. Aber auch Spiel, Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten, Gelegenheit zum Freilauf, zum Herumschnuppern oder zu einer anderen beliebten Tätigkeit können geeignete Belohnungen sein, die mit dem Clicker angekündigt werden. In der Regel bedeutet der Clicker ausserdem: "Danke, genug. Übung beendet!" Clickt man nämlich z.B. beim Platz-Üben, weil der Hund gerade brav liegt, wird er vermutlich in freudiger Erwartung des Leckerchens aufspringen. Das ist zwar für den zweibeinigen Clickeranfänger etwas irritierend, schadet aber dem Lernprozess nicht. Keinesfalls darf der Hund getadelt werden, wenn er seine Position verlässt oder eine begonnene Bewegung abbricht, sobald es clickt, um sich sofort das Leckerchen zu holen. Denn das würde seine gute Laune und seine Freude über die Belohnung, die so wichtig für eine hohe Motivation sind, erheblich beeinträchtigen. 

Bevor man den Clicker in der beschriebenen Weise als Belohnungssignal einsetzt, sollte der Hund lernen, dass „Click!" bedeutet: "Belohnung kommt gleich!" Man nennt das „den Hund auf den Clicker konditionieren“. Zum Konditionieren clickt man und gibt dem Hund sofort danach ein Leckerchen. Er muss dabei noch nichts bestimmtes tun. Er soll nur das neue Geräusch hören und es mit dem Auftauchen von Futter verknüpfen. Nach ca. 5 bis 10 Wiederholungen des Ablaufs Click – Leckerchen, wird der Hund normalerweise beginnen, erwartungsvoll zu schauen oder gar angelaufen kommen, sobald er den Clicker hört, um sich sein Leckerchen abzuholen. Die Konditionierung ist damit erfolgt und man kann den Clicker – normalerweise stets gefolgt von einer Belohnung - zum gezielten Training einsetzen. 

Warum ist es nun so etwas Besonderes, die Belohnungen mit einem Clicker anzukündigen? Schon in den 50er Jahren wurde festgestellt, dass das Click zufällig ein für das Training von Tieren besonders effektives Geräusch ist. Es ist einmalig klar und kurz. Auch nur das Wort „Brav“ auszusprechen, dauert viel länger, als mit dem Daumen den Clicker zu drücken. Da die optimale Zeit fürs Lernen durch Verknüpfungen
0,5 Sekunden ist, ist dies ein deutlicher Vorteil: durch das optimale Timing begreift der Hund mit dem Clicker besser, dass eine ganz bestimmte Bewegung ihm eine Belohnung einbringt, als wenn man ihn mit der Stimme lobt oder ihm gar ohne Ankündigung nach der Übung eine Belohnung gibt. So können mit dem Clicker auch winzige Details einer Bewegung (drehen des Kopfes, öffnen des Mauls, setzen einer Pfote, Blickrichtung der Augen usw.) „eingefangen“ werden. Das erlaubt eine ansonsten unerreichte Präzision beim Training.  

Man weiss aus Lernexperimenten, dass das wichtige „Glückshormon“ Dopamin im Gehirn besonders dann ausgeschüttet wird, wenn man erfährt, dass man etwas Erfreuliches bekommen wird.* Die Belohnung beim Clickertraining ist also doppelt: erst durch den Click und dann durch das Leckerchen. Dopamin bewirkt neben dem Gefühl der freudigen Erwartung eine erhöhte Aufmerksamkeit und bereit die „grauen Zellen“ darauf vor, sich gute Erfahrungen einzuprägen.* Auch andere Elemente des Clickertraining rufen höchstwahrscheinlich gute Gefühle hervor. So löst eine Aufgabe, die einem viele kleine Erfolgserlebnisse vermittelt und genau das richtige Anspruchsniveau hat (was bei gutem Clickertraining gegeben ist), bei Menschen ein Gefühl tiefer Zufriedenheit, ja sogar Glücksgefühle („Flow“ genannt) aus.* Schliesslich hat man noch herausgefunden, dass Menschen glücklicher und weniger gestresst sind, wenn sie das Gefühl haben, ihr Leben selbst bestimmen zu können.* Clickertraining ist nun sicherlich eine Trainingsmethode, bei der der Hund sehr stark das Gefühl bekommt, selbst „bestimmen“ zu können. Sollten diese Forschungsergebnisse also zumindest teilweise auf Hunde übertragbar sein, könnte man durchaus zu dem Schluss kommen, dass Clickertraining Hunde womöglich wirklich ein bisschen „high“ macht... Aber keine Angst, wirklich süchtig werden Hunde vom Clickern nicht. Sie lieben diese Tätigkeit einfach nur sehr. 

Aber auch Menschen sind meist absolut fasziniert vom Clickertraining, wenn sie erst einmal Feuer gefangen haben. Beim Clickern erlebt man, wie Lernprozesse verlaufen, wie der eigene Hund sich sein Lernziel selbständig erarbeitet und was für individuelle Vorlieben und Abneigungen, Stärken und Schwächen er hat. Um diese äusserst spannende Erfahrung bringt man sich selber, wenn man den Hund durch übertriebenes Animieren oder gar durch Tadel und Zwang beim Lernen stark gängelt. „Seinen“ Menschen erlebt der Hund beim Clickertraining ausserdem immer wieder als jemanden, der ihn behutsam über viele kleine Erfolgserlebnisse zum Ziel führt, nicht aber als jemanden, der ihn überfordert und stresst. Es lohnt sich für den Hund also, diesen Menschen gut im Auge zu behalten und sich an dessen „Meinung“ zu orientieren. Clickertrainer berichten denn auch immer wieder, dass ihre Hunde nach der Umstellung auf Clickertraining insgesamt anhänglicher und leichter „ansprechbar“ wurden und begannen, auch ausserhalb der Trainingseinheiten viel stärker auf zustimmende oder ablehnende Gesten ihres Menschen zu reagieren. 

Von solchen Glücksgefühlen und einem flotten, effektiven und auch noch genussvollen Lernen ist ein clickerunerfahrener Hund und sein ebenso unerfahrener Mensch aber nicht selten noch weit entfernt. Der Mensch muss erst einmal etwas Erfahrung mit der Methode sammeln, ehe er so richtig viel damit „herausholen“ kann. Und mancher Hund sitzt in den ersten Clickereinheiten vorsichtshalber da wie ausgestopft, nach dem Motto: mit „Sitz“ kann ein Hund nie wirklich etwas falsch machen. Auch er muss sich erst mal daran gewöhnen, dass bei der neuen Trainingsmethode Eigeninitiative von ihm erwartet wird. Leider geben viele Hundehalter entmutigt wieder auf, weil ihr eigener Hund nicht so beeindruckend freudig und schnell lernt wie die Clickerhunde, die sie auf Videos oder bei Vorführungen gesehen haben. Sie glauben, er eigne sich nicht fürs Clickertraining.  

Das ist schade. Denn Clickertraining beruht auf Lernprinzipien, die bei jedem Hund funktionieren und seinem natürlichen Lernverhalten sehr entgegen kommen. Ob ein Hund sich anfangs etwas schwer damit tut, hängt vor allem davon ab, wie er bisher trainiert worden ist. Besonders Hunde, die mit Zwang ausgebildet wurden, sind anfangs aus Besorgnis, etwas falsch zu machen und „korrigiert“ zu werden, sehr passiv. Aber auch allzu viel locken mit Körpereinsatz des Hundeführers, Spielzeug oder Leckerchen kann Hunde passiv machen. Deshalb haben so genannte „Crossover“-Hunde (also solche, die aus anderen Ausbildungsmethoden zum Clickertraining wechseln) manchmal ein wenig Anlaufschwierigkeiten. Es lohnt sich aber, diese zu überwinden. Denn nach den ersten manchmal etwas holperigen Schritten erweist sich Clickertraining als Spassfaktor ersten Ranges und sehr effektiv fürs Beibringen neuer Übungen. 

Mit Clickerhunden ist es wie mit gutem Wein: sie werden mit den Jahren immer besser. Schliesslich funktionieren die Verständigung und das Einüben von neuen Bewegungen oder Übungsvarianten und auch das Auffassen neu eingeführter Signale (Kommandos) so gut, dass ihre Besitzer ziemlich verwöhnt sind und schon beinahe ungeduldig werden, wenn der Hund nicht nach einem halben Dutzend Clicks herausgefunden hat, worum es geht. Man darf jedoch nicht vergessen, dass selbst bei erfahrenen Clickerhunden „ein- oder zweimal richtig gemacht“ noch nicht „gekonnt“ heisst. Bis eine neue Aufgabe richtig „sitzt“, zuverlässig und routiniert in verschiedenen Situationen ausgeführt wird und das neue Kommando nicht mehr mit anderen Kommandos verwechselt wird, braucht jeder Hund (und jeder Mensch!) eine gewisse Anzahl von Wiederholungen. Eine neu erlernte Übung muss man also in den nächsten Wochen und Monaten mindestens einige Dutzend Mal einfach nur wiederholen, bis man sicher sein kann, dass der Hund sie wirklich in der Schublade „Kein Problem, das kann ich!“ einsortiert hat. Manchmal gerät die Wichtigkeit von genug Wiederholungen beim Clickern ein wenig in den Hintergrund, woraus dann die ungerechtfertigte Ungeduld des Menschen herrührt. 

Ein Merkmal eines guten Clickertrainers ist, dass er die Übung in kleine Schritte einteilen kann. Konkret gesagt heisst das: er clickt oft pro Zeiteinheit. Etwas übertrieben ausgedrückt könnte man sagen, je öfter jemand pro Minute clickt, desto besser ist er als Trainer. Nanu, wird jetzt mancher denken: wie oft man Gelegenheit hat, zu clicken, hängt doch wohl davon ab, was der Hund einem anbietet? Ein bisschen was ist da natürlich dran, denn schliesslich darf man nicht auf Deubel-komm-raus clicken, obwohl der Hund gar nichts oder etwas ganz falsches tut. Aber häufiges clicken zeigt, dass der Trainer geschickt darin ist, auch kleine Veränderungen im Verhalten des Hundes zu erkennen und für sich zu nutzen. Ein typischer Anfängerfehler ist es denn auch, zu grosse Fortschritte zu erwarten und infolgedessen zu „geizig“ mit den Clicks und Belohnungen zu sein. Der Hund wird aber demotiviert, wenn er lange keine Clicks bekommt und stellt seine Bemühungen dann womöglich ganz ein. Der Anfänger erwartet also z.B. beim Einüben einer Dogdancing-Figur, dass sein Hund auf Anhieb eine ganze Drehung macht und endet – da der Hund nicht auf die Idee kommt, sich einmal um sich selbst zu drehen – damit, dass er nichts zu clicken findet und der Hund sich mangels Belohnungen desinteressiert abwendet. Der erfahrene Clickertrainer clickt dagegen anfangs schon winzige Kopf- oder Pfotenbewegungen zur Seite an. Er hält den Hund durch dieses lohnende „Glücksspiel“ bei der Stange und hat unter günstigen Umständen in wenigen Minuten aus dem kaum erkennbaren Ansatz „Schnauze zur Seite drehen“ eine vollständige Körperdrehung entwickelt – und nebenbei einen hervorragend motivierten Hund „erzeugt“.  

Besonders bei den ersten, bei manchen Hunden etwas zäh verlaufenden Versuchen mit dem Clicker stellt sich eine unter Clickertrainern immer wieder heiss diskutierte Frage: soll man dem Hund ab und zu ein wenig helfen oder ist jedes Helfen (z.B. durch den Einsatz von Leckerchen und Spielzeug oder durch Gesten des Trainers) beim Clickern streng „verboten“? Soll man also dem Hund ein Leckerchen über die Nase halten, damit er auf die Idee kommt, sich hinzusetzen? Oder soll man einen Gegenstand, für den er sich interessieren soll, mit Leckerchen präparieren? Soll man auf den Gegenstand zeigen, darauf klopfen und dem Hund zureden, sich damit zu beschäftigen? Soll man versuchen, ihn mit übertriebener Körpersprache, Herumhopsen oder Winken dazu zu bewegen, dass er einen anschaut oder herankommt, wenn man Blickkontakt oder Kommen auf Ruf üben will? Oder ist es besser, auf all diese Lockmittel völlig zu verzichten und nur stumm mit dem Clicker in der Hand dazustehen und abzuwarten, was der Hund von sich aus macht? 

Clickertrainer sind sich wohl darin einig, dass das Endergebnis aller Erfahrung nach um so besser ist, je selbstständiger der Hund sich die Übung erarbeitet hat. Das liegt daran, dass Lockmittel einige gravierende Nachteile haben. Der wohl grösste Nachteil ist der, dass der Hund in seiner passiven Haltung bestätigt wird: wenn er nur lange genug dasitzt und wartet, wird sein Mensch ihm schon zeigen, worum es geht. Warum soll er also selber denken? Auf Dauer wünscht man sich beim Clickertraining aber den kreativen, aktiven Hund. Besonders das Vorzeigen eines Leckerchens oder Spielzeugs hat weitere schwer wiegende Nachteile. Erstens fühlt sich der Hund allein schon durch den Anblick eines Leckerchens (Spielzeugs) belohnt. Das Vorzeigen der Beute wirkt nämlich so ähnlich wie ein Click: als Ankündigung, dass man sie bekommt. Es kann daher leicht passieren, dass der Hund sich fürs passiv Bleiben belohnt fühlt und immer „unselbständiger“ wird. Vor allem, wenn man den Fehler macht, zuerst eine Weile abzuwarten, was der Hund tut, und dann - wenn man ungeduldig wird - doch ein Leckerchen herauszuholen und ihm vorzuhalten, um ihn zu einer Bewegung zu veranlassen. Dadurch wird er buchstäblich für „stures“ Abwarten belohnt, sogar wenn man ihm das Leckerchen dann gar nicht wirklich gibt. 

Schließlich lenken direkt sichtbare Leckerchen oder Spielzeuge den Hund auch noch von seiner eigentlichen Aufgabe ab: statt zu lernen, bei Fuß zu gehen, lernt er z.B. in Wirklichkeit nicht mehr, als einem in der Hand gehaltenen Leckerchen zu folgen. Auch Herumfuchteln und Ansprache durch den Hundeführer lenken den Hund oft eher ab, als ihm wirklich zu helfen, vor allem wenn es um Gegenstände geht. Je mehr der Hundeführer mit dem Hund spricht und gestikuliert, desto mehr konzentriert sich der Hund auf seinen Menschen, statt auf den viel langweiligeren Gegenstand. Zu guter Letzt werden Lockmittel nur allzu leicht versehentlich als Signal (Kommando) verknüpft. D.h. der Hund lernt ganz nebenbei, die Übung nur dann auszuführen, wenn das Lockmittel dabei ist. Versucht man dann z.B., ohne Leckerchen in der Hand bei Fuß zu gehen oder ohne Kniebeuge „Platz“ zu verlangen, streikt er, weil er glaubt, bei Fuß gehen und Platz machen gelte nur, wenn man ein Leckerchen in der Hand hat bzw. eine Kniebeuge macht.  

Eine lange Liste von Nachteilen. Manche Clickertrainer sind daher der Meinung, man solle beim Clickern von Anfang an gar nicht helfen. Locken hat aber auch einige Vorteile. Der wichtigste ist: es geht mit Locken oft anfangs tatsächlich schneller. Der Hund kommt schneller darauf, was er tun soll. Und das ist nun nicht nur für den Hundehalter wichtig, sondern durchaus auch für den (Anfänger-)Hund! Er neigt nämlich (ebenso wie sein Besitzer!) dazu, entmutigt aufzugeben oder gar die ganze Methode als unerfreulich anzusehen, wenn sich allzu lange kein Erfolg einstellt. Anders der erfahrene Clickerhund. Er hat bereits ein Repertoire von Ideen aufgrund von vorangegangenen Übungen. Er hat gelernt, dass er stets zum Erfolg kommen wird, wenn er nur hartnäckig genug ist, und „hängt“ sich bei Anfangsschwierigkeiten erst so richtig rein. Er weiss, dass Fehler keine Strafe nach sich ziehen. Er weiss auch, dass er selber seinen Kopf anstrengen soll und dass sein Besitzer nicht böse mit ihm ist, wenn er ihn einfach nur konzentriert beobachtet, sondern dass in solchen Situationen „action“ erlaubt, ja geradezu erwünscht ist. Und der erfahrene Clickertrainer ist bereits sehr geschickt darin, die Bewegung, die er dem Hund beibringen will, vorab im Kopf in winzige Schritte zu zerlegen. Er hat Erfahrung darin, auch kleinste Verbesserungen im Verhalten des Hundes zu sehen und sie im richtigen Moment anzuclicken. Er kennt ferner seinen Hund und dessen Schwächen und Stärken mittlerweile genau und kann so vermeiden, den Hund in ein Frustloch hereinzureiten, indem er z.B. allzu lange am Stück an einer für den Hund schwierigen neuen Übung arbeitet. Mit diesem Wissen kann er tatsächlich bei seinem Hund beinahe alles ausschliesslich durch Click und Belohnung „frei formen“. 

Dem Anfängerhund- und -trainer aber macht man es meiner Meinung nach unnötig schwer, wenn man aus Prinzip von vornherein jedes „Helfen“ völlig ausschliesst. Es ist auch beim Clickertraining nicht gleich ein Staatsverbrechen, ein- oder zweimal ein Bringholz mit einem Leckerchen abzureiben, damit der Hund sich dafür interessiert und man etwas zu clicken hat, oder mit der Hand auf einen Gegenstand zu klopfen, auf den der Hund klettern soll. Auch das Herunterlocken mit einem Leckerchen zum Platz kann anfangs helfen. Die Betonung sollte aber unbedingt auf dem „anfangs“ liegen. Die ersten ein- oder zweimal, vielleicht noch beim dritten oder vierten Mal, aber dann ist auch Schluss. Vor allem sollte man sich hüten, wieder einen Schritt zurückzugehen und das Lockmittel erneut einzusetzen, wenn der Hund nach einigen bereits erfolgreichen Wiederholungen der Übung einmal eine längere Denkpause einschaltet. Dann ist es wirklich das Beste, einfach ruhig abzuwarten. Hat er die Bewegung schon einige Male gemacht und ist dafür geclickt und belohnt worden, wird er sie auch wieder machen. Dass dabei schon mal 20 oder 30 lange Sekunden mit „Nachdenken“ vergehen können, ist allerdings etwas, an das man sich als Clickerneuling erst gewöhnen muss. 

Den Prozess des „Formens“ kann man sich nun vielleicht ein wenig besser vorstellen. Aber wie geht es weiter? Wie wird etwas Nutzbares aus einer so trainierten Übung? Was macht man mit dem Hund, der sich etwa beim Anblick des Clickers um sich selbst dreht oder einem gar in bunter Reihenfolge und mit grosser Begeisterung andere Übungen und Tricks anbietet, die schon einmal mit dem Clicker belohnt worden sind? Der erste Schritt ist normalerweise, die Übung durch Wiederholungen noch etwas zu festigen, bis der Hund sie wirklich routiniert und ohne langes Zögern auch mehrfach hintereinander ausführt – sogar dann, wenn nicht mehr bei jeder Wiederholung der Bewegung geclickt wird. Welche Übung von den mehreren, die der Hund vielleicht gerade im selben Zeitraum mit dem Clicker lernt, diesmal dran ist, teilt ihm in diesem Stadium das erste Click mit. Z.B. macht der Hund beim Beginn der Trainingseinheit Sitz, Platz, gibt Pfötchen, dreht sich – hört beim Drehen den Click und weiß nun: diesmal üben wir Drehungen. Oder er erkennt es an der Situation. Er sieht etwa das Apportierholz und weiss sofort: diesmal geht es ums Apportieren.  

Hat der Hund mit der neuen Übung ein wenig Routine bekommen, kann man sie im nächsten Schritt mit einem Signal (Kommando) verknüpfen. Der Trainer clickt also z.B. zwei- oder dreimal für Drehungen. Er weiss dann ganz genau, was der Hund wohl als Nächstes tun wird: sich drehen natürlich. Also kann er jeweils kurz bevor der Hund in die Drehbewegung geht das Signal „dreh dich“ geben. Nach einigen Wiederholungen beginnt der Hund, das neue Signal mit seiner Tätigkeit zu verknüpfen und wird anfangen, auf das Wort „dreh dich“ in die Bewegung zu gehen. Um ihm zu zeigen, dass genau dies (die Reaktion auf das Signal nämlich) sehr erwünscht ist, wird der geschickte Trainer nun einige Male wieder bereits den Ansatz zur Drehbewegung clicken – allerdings nur, falls der Hund nach dem Signal „dreh dich“ damit beginnt. Dreht er sich einfach so, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, gibt es ab jetzt keinen Click und keine Belohnung mehr. Der Hund beginnt deshalb, verstärkt auf das Signal „dreh dich“ zu achten und zu reagieren, während das bisherige spontane Drehen mangels weiterer Belohnungen „ausstirbt“.  

Ist die neue Übung auf diese Weise unter Kommandokontrolle gebracht worden und der Hund durch genug Wiederholungen routiniert darin, sie auszuführen, kann man den Clicker weglassen und auch die Belohnungen auf ein Mindestmass zurückschrauben. Der Hund wird für die Ausführung ganz normal mit der Stimme gelobt und ab und zu (nach dem Zufallsprinzip) auch belohnt. Die Übung ist fertig trainiert. Obwohl dies nach einem sehr langwierigen Prozess klingt, kann das Ganze bei einem Clickererfahrenen Hund durchaus in wenigen Übungseinheiten erreicht sein. 

Falls Sie nun neugierig aufs Clickertraining geworden sind und es selbst einmal ausprobieren wollen, nur zu. Ebenso wie Hunde lernen Menschen Clickertraining am Besten durch Ausprobieren. Und wirklich „vermurksen“ kann man den Hund durch das Clickern zum Glück nicht. Schlimmstenfalls lernt er (z.B. durch falsches Timing beim Clicken) etwas anderes, als man eigentlich beabsichtigt hat - so wie ein Hund, den ich neulich traf, der versehentlich statt „Sitz“ eine perfekte Verbeugung gelernt hatte...

* Die Glücksformel, Stefan Klein, Rowohlt 2002 

15 Tipps fürs Clickertraining:

1.  Nach jedem Click gibt’s ein Leckerchen (oder eine andere Belohnung).

2.  Der Clicker beendet die Übung. D.h. es ist okay, wenn der Hund nach dem Click z.B. aus dem Platz aufsteht oder das Apportierholz fallen lässt. Trotzdem das Leckerchen geben!

3.  Nie den Hund mit dem Clicker locken oder rufen. Man belohnt ihn sonst direkt fürs Unaufmerksam-sein und Weglaufen!

4.  Die Leckerchen möglichst klein machen, so dass der Hund pro Übungseinheit 20-30 davon fressen kann, ohne satt zu werden.

5. Die Übungseinheiten kurz halten (wenige Minuten, höchstens 20-30 Leckerchen verbrauchen).

6. Die Übungseinheit mit einem kleinen Abschlussritual deutlich beenden – am Besten, wenn es gerade besonders gut klappt. Denn das zuletzt Ausgeführte bleibt besonders gut in Erinnerung.

7. Anfangs besser nur eine Übung pro Trainingseinheit durchnehmen, um den Hund nicht zu verwirren. Später kann man auch für verschiedene Übungen direkt nacheinander clicken.

8. Wenn es nicht klappt, liegt es meistens an schlechtem Timing. Lassen Sie jemanden zugucken und Sie auf Fehler im Timing aufmerksam machen („Zu spät...“). Kinder sind darin besonders gut!

9.  Ein weiterer häufiger Anfängerfehler: man erwartet bei einer neuen Übung zu grosse Fortschritte beim Formen. Der Hund bekommt dadurch zu wenig Clicks und verliert das Interesse.

10. Niemals beim Clickertraining psychischen Druck auf den Hund ausüben, schimpfen oder auf Zwang und Strafe zurückgreifen! Hören Sie sofort auf, wenn Sie ungeduldig oder gereizt werden.

11. Falls etwas anfangs nicht so gut klappt, probieren sie es einmal mit einer anderen Übung. Vielleicht haben Sie zufällig eine erwischt, die Ihrem Hund so gar nicht liegt.

12. Falls Ihr Hund plötzlich anscheinend alles vergessen hat: gehen Sie „zurück in den Kindergarten“ - behandeln Sie Hund und Übung vorübergehend wieder so, als könne er die Übung noch gar nicht. Er wird sich schnell wieder erinnern.

13. Falls Sie mehrere Hunde haben: trainieren Sie jeden einzeln auf den Clicker und üben Sie abwechselnd. Man kann übrigens auch Gruppenarbeit mit Clicker betreiben, da die Hunde schnell begreifen, dass nur die Clicks des eigenen Besitzers wichtig für sie sind.

14. Manche Hunde sind zunächst etwas ängstlich vor dem Click-Geräusch. Dämpfen Sie den Clicker anfangs (z.B. tief in die Tasche stecken). Vermeiden Sie den „Fernbedienungseffekt“: nicht mit dem Clicker auf den Hund zeigen!

Um Übung im „Formen“ zu bekommen, verabreden Sie sich doch mal mit ein paar Freunden und clicken Sie sich gegenseitig. Das ist sehr spassig und lehrreich.